Archive for April, 2010

Auch eine Form von Wahn

28. April 2010

Eigentlich wollte ich mit einem sogenannten Appell, der sich da nennt „Appell an die Abmahner zu Menschlichkeit und Fairplay„, beschäftigen, der mich in gewisses Erstaunen versetzte, aber nicht sprachlos machte. Ich habe keine Ahnung, was Menschen, die sich dem Kampf gegen den Abmahnwahn verschrieben haben, reiten muss, solche – ja, wie soll man das Kind bloß nennen? – Dinge in die Welt zu setzen. Ich habe auch keine Ahnung, wie man ernsthaft auf die Idee kommen kann, so etwas zu unterstützen. Eigentlich habe ich gar keine Ahnung, da ich mich erst seit dem letzten Jahr mit dem Abmahnwahn beschäftige, im Gegensatz zu den großen Auskennern und anderen wichtigen Antiabmahnrittern, und trotzdem erlaube ich mir folgendes Urteil: Von dieser Branche so etwas wie Menschlichkeit und Fairplay zu erwarten, zu erhoffen, ja, darum zu betteln und dann auch noch mit vielleicht, irgendwie, möglicherweise, ach, na schauen Sie es sich doch einmal an, Frau und Herr Rechtsanwältin, angemessenen und sogar pauschalen Vergleichsangeboten rüber zu kommen, das ist das Letzte, was ich unterstützen würde.

Unterstützenswert dagegen ist die konzentrierte anwaltliche Arbeit am Einzelfall, die in einigen Fällen – nämlich denen, die publiziert und öffentlich zugänglich gemacht werden können – Licht ins dunkle Abmahndickicht bringen und so etwas wie annähernde Sicherheit im Hinblick auf „Was geht? Was geht eher nicht? Was geht gar nicht? Wie reagiert man?“ bringen kann.

Aber am Ende muss jeder selbst entscheiden. Jeder muss selbst wissen, ob er die dubiose Forderung einer dubiosen Rechtsanwaltskanzlei bezahlt oder nicht bezahlt, ob er dubiose Verträge mit dubiosen Medienrittern abschließt oder eine modifizierte Unterlassungserklärung abgibt, die strafbewehrt und ohne Eingeständnis irgendeiner Schuld ist, ob er sich gegenüber lauernden Abmahnfüchsen in irgendeiner Form äußert, irgendeine Schuld oder Unschuld simulierend, irgendwelchen Quark von sich gebend, der am Ende, sollte man im unwahrscheinlichsten Fall vor einem Richter landen, belastenderweise zitiert werden kann, oder ob er einfach seinen Mund hält und sein Surfverhalten, die ihn umgebenden Menschlein und die ihn umgebende Technik mal genauer unter die Lupe nimmt und dafür sorgt, dass den Mühlen des Abmahnwahns wieder ein Tröpfchen Wasser weniger aufs Wasserrad tropft, das muss am Ende jeder selbst wissen.

Ich für meinen Teil bin bis jetzt mit der Taktik „Abgabe einer modifizierten Unterlassungserklärung, keine Forderung bezahlen, keinen Kontakt zum Abmahnanwalt“ gut gefahren und kann seit dem auch wieder gut schlafen. Appelle an nicht zu erwartende Menschlichkeit und Fairplay brauche ich nicht.

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Wovon auch Abmahnanwälte träumen

26. April 2010

Cleanternet.org

Auskunftsansprüche und Auskunftsrechte

20. April 2010

Wissen gegen Angst, eine sehr brauchbare Waffe des Raubkopiermörders gegen die strahlenden Ritter des Abmahnwesens. Heute:

Sicherungsbeschluss und Gestattungsbeschluss als Adressbeschaffungsmaßnahme der Rechteinhaber sowie der Auskunftsanspruch des vermeintlichen Rechteverletzers

Wie man sieht, sieht man nichts. Jedenfalls nicht viel und nichts sonderlich spektakuläres. Sicherlich auch eine Erklärung für die steigende Beliebtheit des Abmahnwesens unter betriebswirtschaftlich orientierten Rechtsvertretern: Man kann sich so wunderbar im mehrdeutigen Brei juristischen Fachchinesischs baden und den bösen Raubkopiermördern schrecklich viel Angst einjagen. Aber wehe es kommt einer, der sich ein eingehender mit der Thematik beschäftigt und plötzlich dieselbe Sprache spricht.