Haben Sie schon gezahlt?

24. Februar 2010

Ich glaube, kein Abgemahnter bleibt nach ausdrücklichem Studium der ihm übersandten Papiere ruhig auf dem Stuhl sitzen, vielleicht verträumt aus dem Fenster schauend, locker und entspannt darüber nachdenkend, was als nächstes zu tun sei. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sogar einige gibt, die sofort aufspringen, ihre Brieftasche zücken und das geforderte Geld auf den Tisch zaubern, als würden sie es nicht viel lieber für etwas anderes, sinnvolleres ausgeben wollen. Doch hier geht es darum einen Prozess vor dem Gericht zu verhindern, mit dem bei Nichtzahlung gedroht wird, das wäre doch ruinös und obendrein auch noch, vielleicht, peinlich.

Ich jedenfalls blieb nicht ruhig am Tisch sitzen, sondern rief, wild entschlossen und auf Hilfe hoffend, einen Anwalt an, der mir von einem Freund empfohlen wurde. Ja, sagte ich mir, der ist Jurist, der wird erkennen, dass hier ein Irrtum vorliegt und er wird mir sagen, was zu tun ist, wird sich für mich in die Schlacht begeben und die brennenden Kohlen aus dem Feuer holen.

Pah. Denkste.

Nun gut, dieser Anwalt war kein Fachanwalt, was sollte man also mehr erwarten, als ein paar nichtssagende Aussagen, zum Glück gebührenfrei. Ja, sagte der zuerst, das Schreiben ist ja mit der normalen Post gekommen, das muss man gar nicht beachten, denn der Abmahnanwalt könne doch gar nicht beweisen, dass man das Schreiben überhaupt bekommen hat. Dieser, vielleicht ganz gut gemeinte Rat, erwies sich allerdings schnell als wenig hilfreich, schon ein kurzes Studium eines (sozusagen) Grundkurses für Neuabgemahnte förderte zutage: Ein solches Verhalten kann nur als fahrlässig bezeichnet werden. (Beweislast für den Zugang einer Abmahnung)

Als nächstes wies er mich noch darauf hin, dass das Schreiben doch gar nicht auf handgeschöpftem Büttenpapier (sinngemäß) und nicht persönlich unterschrieben bei mir ankam, als mich gar nicht als (möglicherweise rechtsbrechendes) Individuum, sondern als Teil einer ganzen Gruppe (womöglich bösartiger) Menschen ansprach und schon wegen der mangelnden Sonderbehandlung gar nicht ernst genommen werden dürfte. Ähm, ja. Wirklich interessierte ihn also nur die Form, den Inhalt bewertete er eher mit: Mmhh, na ja, keine Ahnung, haste das runtergeladen, wenn ja, dann kann ich dir auch nicht mehr helfen. Vielen Dank.

Rechtsanwalt Nummero Zwo war schon ein wenig bekannter mit der Materie („Bekomme ich einmal pro Woche auf den Tisch. Das sind Abzocker.“), was mich zuerst ein wenig beruhigte, aber nicht ganz. Zumindest riet er mir, eine sogenannte modifizierte Unterlassungserklärung auszufüllen („Gibts im Internet.“) und zudem wenigstens einen Teil der Forderung zu begleichen („Weil denen das zu aufwendig ist, den Rest der Forderung einzutreiben.“), weil man ja doch irgendwie (vielleicht) nicht ganz unschuldig ist?!

Später, also jetzt, bin ich (ein wenig) schlauer, jedenfalls nicht so dumm, den Aussagen persönlich halbbekannter (und in ihrem speziellen Fachgebiet sicher unschlagbar guter Rechtsanwälte) unbedingt zu vertrauen und all das zu tun, was einem von dieser und jener Seite geraten oder abgeraten wird, denn wenn ich aus der Sache eines gelernt habe: Vertraue niemandem.

(Außer einem guten Forum.)

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