Antworten sind schwer zu finden

4. Februar 2010

Die Tage nach Erhalt der Abmahnunterlagen verbrachte ich in einer Art Vakuum. Auf Knöllchen wegen Falschparkens oder zu schnellen Fahrens kann man sich vorbereiten, man weiß ja meist auch, spätestens wenn man die entsprechende Post geöffnet und kurz überlegt hat, dass man etwas falsch gemacht hat oder man weiß, wenn die Anschuldigung unberechtigt sein sollte, wie man sich wehren kann. So etwas nennt sich Rechtsbehelf und unter jedem dieser Schreiben steht, welche Möglichkeiten der Abwehr unberechtigter Anschuldigungen man hat.

Im Falle einer Abmahnung wegen einer vermeintlichen Urheberrechtsverletzung gibt es das nicht. Man bekommt einen blumig und ausschweifend formulierten Schriftsatz, prall gefüllt mit Vorwürfen, vermeintlichen Beweisen und möglichen Konsequenzen, die einem blühen, sollte man nicht schleunigst die beigefügte Unterlassungserklärung unterzeichnen und den geforderten Betrag, der nur einen Teil des tatsächlich geforderten Schadensersatzes und der angeblichen Anwaltskosten darstellt, bezahlen. Nicht erwähnt wird, was zu tun ist, wenn man der Meinung ist, dass die Forderung unberechtigt sein könnte, wenn man der Meinung ist, dass man hier noch ein wenig streiten könnte, wenn man der Meinung ist, dass eine solche Abmahnung ein Geschäftsmodell ist und nicht das oft von Abmahnanwälten behauptete berechtigte Einfordern von Entschädigungen für Schädigungen durch die vermeintliche Kostenloskultur des Internets.

Der Unwissende setzt sich also zuerst an den Tisch und überlegt. Ich bin noch nicht einmal sofort auf die Idee gekommen, das Thema der Abmahnung zu googeln, im Internet zu schauen, ob ich der einzige Depp in diesem Lande bin oder ob es noch andere vermeintliche Rechtsbrecher gibt, die solche oder ähnliche Briefe bekommen haben und ähnlich verdutzt und ahnungslos am Tisch gesessen haben wie ich. Nein, der Unwissende ruft Freund A. an, dem er empört berichtet, was vorgefallen ist, bei dem er sich aufregt, erregt, erzürnt und am Ende verzweifelt fragt: Was soll ich tun?

Wenn man mit anderen über diese Geschichte redet, wird schnell klar, warum es Abmahnanwälte es relativ einfach haben. Grundsätzlich scheint niemand ein größeres Problem mit dem Herunterladen von Musik oder Software oder Filmen zu haben, allerdings lautet die herrschende Meinung: Lass dich nicht erwischen. Und so bekommt man in Gesprächen oft vorgehalten, warum man diese und jene Technik verwendete, wo man doch wissen müsste, das jene und diese Technik viel besser sei und überhaupt, wie man sich dabei erwischen lassen kann, dass sei doch wohl das Dümmste. Niemand fragt, ob der Anspruch überhaupt berechtigt sei, niemand kümmert sich darum, dass es hier nicht um das Herunterladen, sondern um das angebliche Verteilen (anbieten) geht, es scheint überhaupt keinem bewusst zu sein, dass eine solche Abmahnung so viele Fragen aufwirft, die kaum einer so richtig beantworten kann.

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